Neurodiversität und ADHS – anders denken, fühlen und handeln
Durch soziale Medien sind Themen wie Neurodiversität, Autismus und ADHS in den vergangenen Jahren stärker in den öffentlichen Fokus gerückt. Viele Menschen erkennen sich in beschriebenen Erfahrungen wieder und beginnen, sich intensiver mit der Frage zu beschäftigen, ob der Umgang mit ADHS für ihr eigenes Leben eine Rolle spielen könnte.
Was bedeutet ADHS?
ADHS wird heute als eine Besonderheit der neurobiologischen Entwicklung verstanden. Die Entstehung ist komplex und noch nicht vollständig erforscht. Nach heutigem Wissensstand spielen genetische Faktoren eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig beeinflussen auch Umweltbedingungen, persönliche Entwicklungserfahrungen sowie belastende und schützende Lebensfaktoren, wie sich Schwierigkeiten im individuellen Leben zeigen.
ADHS ist daher nicht einfach auf mangelnde Disziplin, fehlende Motivation oder eine bestimmte Erziehung zurückzuführen. Das Gehirn von Menschen mit ADHS verarbeitet und reguliert bestimmte Prozesse anders als ein neurotypisches Gehirn.
Aufmerksamkeit, Organisation und emotionale Regulation
Die bekannten Kernbereiche von ADHS sind Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeitsregulation, Hyperaktivität und Impulsivität. Dabei haben Menschen mit ADHS nicht grundsätzlich zu wenig Aufmerksamkeit. Häufig ist vielmehr die bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit schwierig. Besonders Aufgaben, die als monoton oder wenig interessant erlebt werden, können erheblich mehr Energie und Motivation erfordern.
Das bedeutet, die sogenannten exekutiven Funktionen können betroffen sein. Sie ermöglichen uns, unser Verhalten zu organisieren, Aufgaben zu planen und unsere Aufmerksamkeit zu steuern. Zusätzlich berichten viele Betroffene über eine erhöhte Stressempfindlichkeit, emotionale Reizbarkeit oder Schwierigkeiten, den Alltag dauerhaft gut zu strukturieren.
ADHS bedeutet nicht nur Schwierigkeiten
Eine rein defizitorientierte Betrachtung wird Menschen mit ADHS jedoch nicht gerecht. Viele verfügen über besondere Ressourcen wie Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Neugier und flexibles Denken. Sie können Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und neue oder ungewöhnliche Lösungswege entwickeln.
Natürlich zeigt sich ADHS bei jedem Menschen unterschiedlich. Nicht jede beschriebene Schwierigkeit oder Stärke trifft gleichermaßen zu.
Psychotherapie und der Blick auf persönliche Ressourcen
In der Psychotherapie kann es darum gehen, die eigene Funktionsweise besser zu verstehen und einen hilfreichen Umgang mit individuellen Herausforderungen zu entwickeln. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei nicht nur auf bestehenden Schwierigkeiten, sondern auch auf den bereits vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen.
ADHS besser zu begreifen, bedeutet nicht, sich auf eine Diagnose zu reduzieren. Vielmehr kann es helfen, die eigene Lebensgeschichte mit mehr Verständnis zu betrachten, persönliche Stärken bewusster wahrzunehmen und neue Möglichkeiten für einen selbstbestimmteren Umgang mit den Herausforderungen des Alltags zu entwickeln.
Quellen & Urheberrecht
Inhalt: © Mag.a Silvia Christine Bors
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